Lützen · Ortsteil Gerstewitz · Burgenlandkreis

Seit dem 13. Jahrhundert steht sie im Dorf. Sie hat Pest, Krieg und Brand überstanden — und soll auch der nächsten Generation erhalten bleiben.

Nächster Termin

Tag des offenen Denkmals · Sonntag, 13. September 2026, 13–18 Uhr · Kirche, Glockenturm und Pfarrgarten geöffnet

XIII
Baudenkmal

Die Dorfkirche Gerstewitz

Eine kleine Saalkirche mit sieben Jahrhunderten Geschichte — und einem freistehenden Glockenturm, wie es ihn kaum noch gibt.

Die kleine, rechteckige Saalkirche mit Satteldach stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Anstelle eines Turmes krönt sie ein achteckiger Haubenreiter — ein schlanker Dachreiter, der dem Bau seine unverwechselbare Silhouette gibt.

Aus der gotischen Bauzeit haben sich die Dreifenstergruppe an der Ostwand sowie zugemauerte kleine Fenster an der Westseite erhalten. An der Südwand ist ein zugemauertes Gewände zu erkennen, an der Nordseite der frühere Zugang zur Herrschaftsloge — dem Sonderplatz, den der Rittergutsbesitzer von Zörbitz in der Kirche beanspruchte, ohne selbst Patronatsherr zu sein.

Im Inneren erwarten Besucher eine Holzbalkendecke mit ährenförmig gesetzter Täfelung, eine hufeisenförmige Empore und barockes Gestühl unter der Loge. Kanzelaltar und hölzerner Taufstein stammen aus dem 18. Jahrhundert; links vom Altar liegt eine kleine Nische.

Nordwestlich der Kirche steht, vom Gebäude getrennt, ein achteckiger Glockenturm aus Backstein mit einem Glockengeschoss in Fachwerk, errichtet Ende des 19. Jahrhunderts. Der Anbau an der Kirche greift diese Fachwerkform auf und entstand wohl Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum Ensemble gehört außerdem ein einfacher, naturbelassener Pfarrgarten.

Bautyp
Saalkirche mit Satteldach, achteckiger Haubenreiter
Ursprung
vermutlich 13. Jahrhundert
Wiederaufbau
1664–1668, nach dem Brand von 1636
Glockenturm
freistehend, achteckig, Backstein mit Fachwerk­glockengeschoss, Ende 19. Jh.
Orgel
Friedrich Ladegast, Weißenfels, 1861
Pfarrbereich
Weißenfels-Südost, Kirchenkreis Merseburg (EKMD)
Denkmal
Kulturdenkmal der Stadt Lützen, Kategorie Sakralbauten
1861
Ladegast-Orgel · Gerstewitz · 1861
Das Herzstück

Eine Ladegast-Orgel von 1861

Über 200 Orgeln hat Friedrich Ladegast gebaut. Eine davon steht in Gerstewitz.

Friedrich Ladegast (1818–1905) richtete 1846 seine Werkstatt in Weißenfels ein — nur wenige Kilometer von Gerstewitz entfernt. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts.

Auf seiner Wanderschaft arbeitete Ladegast unter anderem bei Aristide Cavaillé-Coll in Paris. Aus dieser Zeit brachte er technische Neuerungen wie Schwelltritte und Barker-Hebel nach Deutschland. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt der Neubau der Orgel im Merseburger Dom.

Die Orgel der Dorfkirche Gerstewitz entstand 1861 — ein Instrument von einem Meister seines Fachs, an einem Ort, an dem man es kaum erwarten würde. Genau solche Instrumente machen die kleinen Dorfkirchen dieser Region so wertvoll und ihren Erhalt so dringlich.

1261
Zeitleiste

Von der ersten Urkunde bis heute

765 Jahre schriftlich belegte Geschichte — verdichtet auf zwölf Stationen.

1261

Erste urkundliche Erwähnung als „villa et pagum Gorscuwiz“ — Dorf und Gau. Nach mehrfachem Wandel der Schreibweise setzt sich ab 1816 die Form Gerstewitz durch, die der mundartlichen Bezeichnung entspricht.

13. Jahrhundert

Errichtung der Saalkirche. Der Ort gehört direkt zum kurfürstlichen Amt Weißenfels, das auch das Patronatsrecht und die Auswahl des Pfarrers innehat.

bis 1575

Gerstewitz ist Mutterkirche eines größeren Sprengels: Zörbitz ist eingepfarrt, Selau mit Borau und Kleben sind Filiale — seit der Reformation auch Nellschütz.

1567

Die Pest erreicht das Dorf. Überliefert ist, dass alle Dorfbewohner einschließlich des Pfarrers ihr zum Opfer fallen.

1636

Im Dreißigjährigen Krieg setzen schwedische Truppen das Dorf in Brand — vier Jahre nach der Schlacht bei Lützen. Auch die Kirche brennt ab.

1664–1668

Wiederaufbau der Kirche, rund drei Jahrzehnte nach dem Brand. Die großen Fenster des Kirchenschiffs stammen vermutlich aus dieser Zeit oder wenig später.

1796

In Gerstewitz stehen zwölf Häuser. 1840 sind es vierzehn mit 60 Bewohnern.

1815 / 1816

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses fällt Gerstewitz an Preußen und wird dem Kreis Weißenfels im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt.

1861

Friedrich Ladegast aus Weißenfels baut die Orgel der Dorfkirche — bis heute das musikalische Herzstück des Baus.

1889

Eine Bockwindmühle wird nach Gerstewitz umgesetzt. Sie gilt heute als letzter Zeuge einer einst mühlenreichen Landschaft — ein zweites Denkmal im Ort. Ende desselben Jahrhunderts entsteht der freistehende achteckige Glockenturm.

1. Januar 2011

Die Gemeinde Zorbau mit ihren Ortsteilen Gerstewitz, Nellschütz, Zorbau und Zörbitz wird per Gesetz in die Stadt Lützen eingemeindet.

18. Dezember 2025

Gründung des Vereins zur Erhaltung der Kirche Gerstewitz e.V., eingetragen beim Amtsgericht Stendal unter VR 7279 — damit liegt die Zukunft des Denkmals in den Händen der Dorfgemeinschaft.

Der Verein

Verein zur Erhaltung der Kirche Gerstewitz e.V.

Frisch gegründet, mit einem klaren Auftrag: die Dorfkirche für die Gemeinschaft erhalten.

Kirchen wie die in Gerstewitz stehen selten im Mittelpunkt großer Denkmalprogramme. Ihr Erhalt hängt am Engagement vor Ort — an Menschen, die anpacken, spenden und dranbleiben. Genau dafür wurde der Verein zur Erhaltung der Kirche Gerstewitz e.V. ins Leben gerufen.

Der Verein kümmert sich um Sanierung, Pflege und Zukunft des über 700 Jahre alten Baudenkmals: um Kirche, Glockenturm, Orgel und Pfarrgarten. Er öffnet die Kirche für Besucher — etwa am Tag des offenen Denkmals — und macht sie so wieder zu einem Ort, an dem das Dorf zusammenkommt.

Gegründet wurde der Verein von Peter Hoppe. Der Sitz liegt in der Alten Straße in 06686 Lützen OT Gerstewitz — nur wenige Schritte von der Kirche entfernt.

Registerdaten

Name
Verein zur Erhaltung der Kirche Gerstewitz e.V.
Sitz
Alte Straße 2c, 06686 Lützen OT Gerstewitz
Rechtsform
Eingetragener Verein (e.V.)
Register­gericht
Amtsgericht Stendal
Register­nr.
VR 7279
Gegründet
18. Dezember 2025
Gründer
Peter Hoppe
Status
Aktiv
Mitmachen

Wie Sie helfen können

Der Verein steht am Anfang — und lebt von Menschen, die mit anpacken, beitreten oder unterstützen.

Erstens

Mitglied werden

Als Mitglied tragen Sie den Erhalt der Kirche dauerhaft mit und entscheiden mit, wohin die Arbeit des Vereins geht.

Zweitens

Spenden

Ob einmalig oder regelmäßig: Jede Spende fließt direkt in Erhalt und Pflege von Kirche, Glockenturm, Orgel und Pfarrgarten.

Drittens

Mit anpacken

Vom Pflegen des Kirchgeländes bis zur Mithilfe beim Tag des offenen Denkmals — tatkräftige Hände sind immer willkommen.

Kontakt

Sprechen Sie uns an

Ob Mitgliedschaft, Spende, Besichtigung oder einfach eine Frage zur Kirche — melden Sie sich gern.

Ansprech­partnerin
Christin Teuscher
Anschrift
Alte Straße 5
06686 Lützen OT Gerstewitz
Vereinssitz
Alte Straße 2c
06686 Lützen OT Gerstewitz

Tag des offenen Denkmals 2026

Sonntag, 13. September 2026
13:00 – 18:00 Uhr

Kirche und Glockenturm sind zur Besichtigung geöffnet. Im Pfarrgarten gibt es Kaffee und Kuchen sowie Steaks und Rostbratwürste.

Für Kinder ist eine Bastelstraße aufgebaut. Parkplätze sind vorhanden.